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Unsere Grundsätze
Drachhausen, Byhleguhre-Byhlen, Tauer, Spreewaldheide, Drehnow und Schwielochsee – sechs Gemeinden machen gemeinsame Sache. Kreis- und amtsübergreifend suchen sie zusammen mit Bauernverband, Bürgermeistern, Amtsmitarbeitern, Unternehmern und engagierten Privatleuten nach einem neuen Weg für den nahen Truppenübungsplatz Lieberose.
Das militärische Sperrgebiet gehört dem Land Brandenburg. Wie überall darf der Eigentümer bestimmen, was mit seiner 27.000 Hektar großen Fläche geschieht und trägt auch für die Sicherheit Verantwortung. So hat das Land seine Behörden angewiesen, auf 17.000 Hektar professionell und intensiv Holzwirtschaft zu betreiben. Das Forstamt Peitz erzeugt hier wertvolle Rohstoffe und schafft für viele Arbeit. Landwirtschaft gibt es im Gebiet keine, die Fischerei ist auf kleine Seen beschränkt. Auf rund 4.000 Hektar bewirtschaftet die Forst erfolgreich Naturschutzgebiete und verbessert so die Vielfalt der Landschaft. 6.000 Hektar sind durch den Militärbetrieb mit Munition derart verseucht, dass Menschen sich dort nicht gefahrlos aufhalten dürfen oder gar arbeiten können. Hier hat der Bodeneigentümer nach achtjähriger Beteiligung der Kommunen 1998 entschieden, dass sich die Natur frei entwickeln darf und hat ein Betreten (außer im Katastrophenfall und zur Munitionsbergung) untersagt.
Einige Wälder und wüste Offenflächen werden durch den Eigentümer derzeit gezielt verkauft. Dadurch kommen Gelder in die Landeskasse, und die neuen Besitzer werden verpflichtet, für die Altlastenbereinigung Sorge zu tragen. Die Stiftung Naturlandschaften zum Beispiel hat sich darüber hinaus verpflichtet, in ihrem Gebiet ein Netz sicherer Wanderwege einzurichten. Diese Aktivitäten der neuen Eigentümer ermöglichen gefahrlose Waldwirtschaft und Tourismus. Auf dem Gelände sind außerhalb der Schutzgebiete auch große Möglichkeiten gegeben, mit erneuerbaren Energien Umweltschutz zu betreiben.
Nur wenige Menschen durften seit dem Abzug der Truppen einen Blick in das Sperrgebiet werfen. Tatsache ist jedoch, dass sich eine in Deutschland einzigartige Naturvielfalt in der abwechslungsreichen Landschaft entwickelt hat. Es ist ein Schauspiel zu sehen, wie die Natur sich ihr Gebiet zurückerobert, wie Seeadler in der Thermik über Sanddünen kreisen, und wie atemberaubend die Ginster- oder Heideblüte sein kann. Auswärtige Besucher, die sich den Führungen der Oberförsterei Lieberose angeschlossen haben, sind überrascht, dass sich solch eine Landschaft in Deutschland erleben lässt. Warum also soll man dies den Bürgern aber auch den Gästen im Spreewald, am Schwielochsee, im Schlaubetal und an den Peitzer Teichen durch Betretungsverbote vorenthalten? Führt denn kein Weg in das touristisch gesehen „schwarze Loch“ zwischen den vier Erholungsgebieten?
Unter dem gemeinsamen Dach des Fördervereins Nationalpark Lieberoser Heide e.V. suchen seit 2003 die oben genannten Gemeinden nach Wegen in das Sperrgebiet. Sie möchten die Natur erlebbar machen und damit Urlaubern ein weiteres Motiv geben, in die Lausitz zu kommen. 10.000 Hektar reinste Natur an einem Stück - das findet man in Deutschland nirgends und das verdient einen großen Namen: Nationalpark. Kein Mensch sucht in seinem Reiseführer nach einem Quartier an einem munitionsverseuchten Sperrgebiet. Viele aber interessieren sich für Nationalparke, auch wenn sie wissen, dass das reichhaltige Erlebnisangebot nur ein kleiner Teil dessen ist, was die Natur zu bieten hat. Darum setzen sich die Mitglieder des Fördervereins für die Bildung eines Nationalparks ein.
In vielen Sitzungen und Einzelgesprächen stoßen die Ideen der Einheimischen auf großes Interesse bei den Planungsbehörden, die seit mehr als zehn Jahren nicht wissen, wie die Lieberoser Heide zum Wohl der Region entwickelt werden kann. Man ist froh, dass endlich konstruktive Vorschläge „von unten“ kommen - Vorschläge der Anwohner, die durchaus Sinn machen. Damit ist der Weg frei, das Gebiet nach den Vorstellungen aller Beteiligten im Konsens gestalten zu können: Land, Forst, Naturschutz, Gemeinden und Bürger sitzen an einem Tisch, um Kompromisse dafür zu finden, wie die (schon lange vorhandenen) Naturschutzgebiete den Menschen der Region nicht nur Einschränkungen, sondern auch endlich einmal konkreten Nutzen bringen können.
Unser Verein hat sich dabei folgendes zum Ziel gesetzt:
- Öffnung alter Ortsverbindungswege
- waldbrandtechnische Sicherheit
- Beseitigung von Altlasten aller Art
- wirksame Vorbeugung gegen Wildseuchen und Waldkalamitäten
- Erhalt der abwechslungs- und erlebnisreichen Landschaft
- Erlebbarmachung der Landschaft durch sichere Wege und Aussichtsmöglichkeiten
- Einrichtung von Erlebnisschwerpunkten in den Anliegerortschaften
Der Aufbau eines Nationalparks und der daran geknüpfte Tourismus können die Impulse bringen, auf welche unsere regionale Wirtschaft schon lange vergebens hofft. Impulse, die vor allem die Eigeninitiative derjenigen Leute stärken, die seit Jahren mit den Einschränkungen dieses Sperrgebietes zu leben hatten. Doch die Belebung des Gebietes wird sich sehr langsam vollziehen. Vor allem die Munitionsbelastung ist ein riesiges Problem. Den gesamten Platz völlig zu beräumen ist finanziell ein Unterfangen ohne Aussicht auf ein schnelles Ende. Deswegen will der Förderverein beginnend mit Wegen und Randbereichen mit jedem Projektschritt ein weiteres Stück Truppenübungsplatz begehbar machen, bis eines Tages die seit den 1940er Jahren verbrachten Altlasten kein Thema sind. Dies alles zu finanzieren, wird lange dauern und den Eigentümer - das Land Brandenburg – allein überfordern. Doch mit dem Status „Nationalpark“ ließen sich dringend nötige Gelder von Bund und EU, von Spendern und vor allem über Ausgleichsmaßnahmen in unsere Region holen.
Dass es um Nationalparks immer wieder Streit gibt, liegt an den unterschiedlichen Nutzungszwecken. In der Lieberoser Heide ist das anders, denn die Einrichtung eines Nationalparks wird:
- keinen einzigen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche beeinträchtigen
- die Waldwirtschaft in Nutzwäldern nicht weiter einschränken
- keine Fischerei negativ beeinflussen.
Die jetzt schon vorhandenen Naturschutzgebiete erfüllen mit den heutigen Gegebenheiten von 10.000 Hektar schon heute fast vollständig die Kriterien für den Nationalpark – es fehlt allein der Name, den der Brandenburgische Landtag unserer Region per Gesetz geben müsste. Einschränkungen über das bisherige Maß hinaus sind dabei weder notwendig noch von uns beabsichtigt. Insbesondere die Munitionsberäumung muss in allen Teilen eines Nationalparks weiter möglich sein.
Wir haben es selbst in der Hand, dem Eigentümer des alten Truppenübungsplatzes unsere Vorschläge für eine gute Zukunft der Region zu unterbreiten. Nicht Verhinderung wird diese Zukunft aktiv gestalten, sondern allein die kompromissbereite, geschlossene und uneigennützige Zusammenarbeit all derjenigen Interessierten, die etwas für ihre Kinder und Enkel bewegen zu wollen.
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